kathweb

Nur ein Lippenbekenntnis ablegen

In der DDR-Zeit standen sie für Otto-Normal-Bürger auf der Tagesordnung. Ob zurecht oder nicht, heute schreibt man sie vor allem Politikern zu: Lippenbekenntnisse. Ein "Wert" wird in den Reden hochgehalten, allein die Taten lassen auf sich warten. Nun ist das aber keine moderne Erscheinung.

Lippenbekenntnisse kennt man schon aus der Bibel. Der Prophet Jesaja beklagt sich zum Beispiel über das Volk Israel: es ehrt seinen Gott nur mit den Lippen, aber nicht mit dem Herzen. (Jes 29,13-14) Das heißt: Den Worten folgen keine Taten. Denn in der Kultur des Alten Testaments ist das Herz nicht nur Sitz sentimentaler Gefühle. Das Herz ist Sitz der Gedanken, der Einsicht und des Willens. Es geht also nicht nur um die Echtheit von Gefühlen, sondern um den Gegensatz zwischen Reden und Tun. Fünfhundert Jahre nach Jesaja erhebt Jesus die gleichen Vorwürfe gegen seine frommen Zeitgenossen. Sie ehren Gott mit den Lippen, das Herz aber ist ganz wo anders. Lippenbekenntnisse scheinen zu jeder Zeit modern zu sein.

Sprichwörter und Redensarten

Eine ganze Reihe von Redensarten und Redewendungen, die heute noch gebräulich sind, gehen auf die Texte der Heiligen Schrift oder deren Übersetzungen zurück. Vor allem die Übersetzung der Bibel von Martin Luther hat die deutsche Sprache geprägt. Manche Wendung geht auf exakt zu benennende Bibelstellen zurück, andere bemühen häufiger in der Bibel verwendete sprachliche Bilder - wie z.B. in den Psalmen.

Aber auch die spätere christliche, religiöse Praxis hat sich - genauso wie die Lektüre der Schriften des Alten und Neuen Testaments - in der Alltagssprache niedergeschlagen. kathweb erklärt die gebräuchlichsten Redewendungen und Sprichwörter.