Eine nicht alltägliche Plakatausstellung in der Erfurter Severikirche erfreut sich seit wenigen Tagen regen Interesses von Gottesdienst-besuchern und Touristen. Die kleine, aber feine Exposition zeigt unter dem Titel „Christliche Botschaften“ Plakate, die seit den 1960er Jahren unter schwierigen Bedingungen in der damaligen DDR entstanden sind und aus gläubiger Sicht im atheistischen Staat öffentlich sichtbare Denkanstöße für Kirche und Gesellschaft geben wollten.
Die A2-Formate waren das Gemeinschaftswerk von Theologen und engagierten Laien im Erfurter Jugendseelsorgeamt. Das Team (es befasste sich auch mit Filmkritiken, Buchbesprechungen und betrieb ein Tonstudio) erhob mit den Plakaten sehr pointiert seine Stimme, wobei man im Erfurter Grafiker Jochen Schink (1920-2007) einen hervorragenden Gestalter für die Themen und Ideen fand. Der an der damaligen PH Erfurt tätige Grafik-Dozent lieferte dem Seelsorgeteam eine „Druckvorlage“, die dann in mühevoller Handarbeit vom Erfurter Werbemaler Werner Karolewski und seiner ganzen Familie in ihrer Wohnung manuell vervielfältigt wurden. So entstanden jedes Viertel-jahr zwischen 70 und 100 sehenswerte zeitkritische Kunstwerke, die dann in den Schaukästen der katholischen Pfarreien Thüringens ausgehängt wurden, wo sie als Blickfang und Denkanstoß für großes gemeindliches Interesse, aber auch manche staatliche „Nachfrage“ sorgten.
Klaus und Markus Karolewski, die Söhne von Werner K., haben den zeitgeschichtlichen Schatz ihres Vaters aufbewahrt und stellen ihn nun erstmals in einer Gesamtschau vor. Bei der kommenden Erfurter Bistumswallfahrt wird es in der Severi-Plakatausstellung dazu eine eigene Zwischenveranstaltung geben.
Michael Meinung