Unser Leben liegt in der Hand des allmächtigen und allerheiligsten Gottes. Wer die Heilige Kommunion mit der Hand empfängt, kennt die kurze Erfahrung, dass das Allerheiligste in seiner Hand liegt. Für diejenigen, die die Heilige Kommunion austeilen, ist dies eine längere Erfahrung, zumal sie ja auch oft die Hostienschale vom Tabernakel auf den Altar und wieder zurücktragen. Für Diakone und Priester gehört die Begegnung mit dem Allerheiligsten zur alltäglichen Erfahrung.
Es ist wichtig, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass uns in der konsekrierten Hostie eigentlich nicht das Sanctissimum, das Allerheiligste begegnet, sondern vielmehr der Sanctissimus, der Allerheiligste. Es ist Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der uns als der Auferstandene mit einem Stück Brot so nahe ist wie seinen Jüngern beim letzten Abendmahl. Das schlichte Zeichen des Brotes ist ein äußeres Zeichen für die Brüderlichkeit, in der uns Jesus Christus begegnet, der uns nicht mehr Knechte nennt, sondern Freunde. (Joh 15,15) Er lädt uns ein, unser Leben in Gemeinschaft mit ihm zu leben, unseren Lebensweg mit ihm zu gehen mit dem eucharistischen Brot als Viaticum, als Wegzehrung.
Jesus Christus ist aber nicht nur unser Wegbegleiter als der große göttliche Freund. Unmittelbar nachdem er seinen Jüngern gesagt hatte, dass sie für ihn nicht Knechte sind, sondern Freunde, sagte er: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“ (Joh 15,16) Er ist der Sohn Gottes, eines Wesens mit dem Vater, wie wir im Glaubensbekenntnis sagen. Die großen Christushymnen des Neuen Testaments besingen seine Göttlichkeit: „Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand.“ (Kol 1,15-17)
Als göttlicher Begleiter ist er nicht nur der freundschaftliche Weggefährte, der unser Leben trägt und hält, komme was da wolle. Im eucharistischen Brot ist er mit seinem Leib da, der für uns hingegeben wird, und mit seinem Blut, das er für uns vergossen hat zur Vergebung der Sünden. Mit der Fußwaschung zu Beginn des Mahles, von der wir am Gründonnerstag hören werden, kam es Jesus Christus nicht nur darauf an, dass die Jünger saubere Füße hatten, die vom Schmutz der Straße gereinigt waren. Es kam ihm nicht nur darauf an, ein Zeichen der Nächstenliebe zu geben. Er wollte sie auch innerlich reinigen und alles Sündhafte, alles Unaufrichtige, alles Gottferne von ihnen abwaschen.
Und das konnte er nur erreichen, indem er sich selbst hingab und aufopferte. Es genügt nicht, dass Menschen als Zeichen ihrer Reue und ihres Sühnewillens Gott Opfer darbringen, wie es im Tempelgottesdienst üblich war. Jesus war bereit, selbst das Lamm Gottes zu sein, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Vielleicht hat er im Abendmahlsaal sogar dieses prophetische Wort Johannes des Täufers aufgegriffen, das ganz am Anfang seines öffentlichen Wirkens stand. Ganz verdichtet ist das dann im Satz aus dem ersten Korintherbrief zusammengefasst: „Das ist mein Leib für euch.“ (1 Kor 11,24) Der Allerheiligste, Jesus Christus, durch den und auf den hin alles erschaffen wurde, hängt als Verbrecher am Kreuz. Er hat sich ganz tief in menschliche Schuldgeschichte begeben, um uns Menschen von innen heraus das Angebot der Erlösung zu machen. Der Allerheiligste, Jesus Christus, durch den und auf den hin alles erschaffen wurde, liegt als kleines Stück Brot in unserer Hand, um mit uns zu gehen. „Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier neiget.“
Wie gut, dass er für das, was sich in unserem Inneren regt, auch eine äußere Ausdrucksform gibt: die Kniebeuge. Eine gute Kniebeuge beginnt mit dem Mut, den Schwerpunkt zu verlagern. Wir gehen nach unten. In einer Welt, in der jeder hoch hinaus will, und in der wir uns oft über andere erheben, ist die Kniebeuge ein Akt des Widerstands. Wer tief geht, spürt den Boden unter den Füßen. Er verliert die Arroganz und findet die Erdung. „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (1. Petrus 5,5)
Wir alle tragen Lasten: Sorgen um die Familie, der Druck im Job, die Angst vor der Zukunft, die Sorge um die Zukunft der Kirche in unserem Land. Die Kniebeuge lehrt uns: Es geht nicht darum, die Last loszuwerden, sondern stark genug zu werden, sie zu tragen. Wer aus der Tiefe wieder nach oben will, braucht Kraft. Im Glauben nennen wir diese Kraft Hoffnungskraft. Gott verspricht uns nicht immer ein leichtes Leben, aber er verspricht uns die Beine, die das Gewicht aushalten können.
Der wichtigste Moment der Kniebeuge ist nicht das Absinken, sondern der Weg zurück nach oben. Es ist ein kleiner, alltäglicher Sieg über die Schwerkraft. Jede Knie-beuge ist eine Miniatur der Auferstehung. Das ist das christliche Versprechen: Wir dürfen fallen, wir dürfen gebeugt sein, aber wir sind dazu berufen, wieder aufzustehen. Nicht aus eigener Kraft allein, sondern weil wir wissen, dass da jemand ist, der uns den Rücken stärkt.
Die Predigt wurde auch beim Gesamttreffen der Diakonats- und Kommunionhelfer (28.3.2026) gehalten.