Mit Bischof Dr. Joachim verlieren wir einen bedeutenden Bischof und Theologen, von dem wegweisende und ermutigende Impulse nicht nur für das Leben der katholischen Kirche in der Diaspora Ostdeutschlands ausgegangen sind, sondern auch für das Leben in der katholischen Kirche in Deutschland. Im Bistum Erfurt sind wir ihm für sein bischöfliches Wirken überaus dankbar. Während der schweren Erkrankung seines Vorgängers Bischof Hugo Aufderbeck wurde er überraschend zum Weihbischof ernannt und übernahm am Todestag von Bischof Aufderbeck am 17. Januar 1981 die Leitung des damaligen Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen. 

Dieses Amt musste er zunächst unter den schweren Repressalien der SED-Diktatur ausüben. Gerade in der Zeit der Bedrängnis vermittelten seine klare Haltung und seine stets wohlgewählten Worte vielen Christen Mut und Zuversicht. In der turbulenten Zeit der Friedlichen Revolution war er dazu herausgefordert, die kleine katholische Kirche zu einer Kraft zu entwickeln, die das gesellschaftliche Leben zum Wohle aller Menschen in Thüringen mitgestaltet. Den Tag der Wiedervereinigung bezeichnete er immer als den schönsten Tag seines Lebens, auch wenn es danach galt, die schweren Umbrüche dieser Zeit zu gestalten. 

Bischof Dr. Wanke war sehr dankbar, dass es ermöglicht wurde, die besonderen kirchlichen und pastoralen Erfahrungen der katholischen Kirche in der DDR behutsam weiterzuentwickeln durch die (Wieder-)Errichtung des Bistums Erfurt im Jahre 1994. Bei der Gründung des Bistums Erfurt im Jahre 742 hatte der Heilige Bonifatius einen Bischof eingesetzt, nach dessen Tod aber keinen weiteren Bischof für das Bistum Erfurt benannt, sodass Bischof Wanke nach 1.152 Jahren erst der zweite Bischof des Bistums Erfurt wurde. Ein besonderes Anliegen war ihm die Eingliederung des Philosophisch-Theologischen Studiums, das die einzige Ausbildungsstätte für Priester in der ehemaligen DDR war, in die Universität Erfurt im Jahr 2003. 

Ein großes Ereignis in seinem Wirken war das Jubiläumsjahr der Heiligen Elisabeth im Jahr 2007. Auf einem bistumsweiten gemeinsamen Weg wurden die Werke der Barmherzigkeit für die heutige Zeit neu formuliert. Bis heute ist diese Aktualisierung der Werke der Barmherzigkeit weit über das Bistum hinaus viel gefragt.

Ein Höhepunkt seiner Amtszeit war der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Erfurt und im Wallfahrtsort Etzelsbach im Eichsfeld im Jahr 2011. Ein Jahr später musste er aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen. Auch im Ruhestand hat er nicht nur das Bistum, sondern auch die katholische Kirche in Deutschland immer wieder mit seinen Gedanken und weiterführenden Perspektiven bereichert. Das Bistum Erfurt trauert um einen großen Bischof.

Möge Gott ihm für sein unermüdliches Wirken reichen Lohn gewähren und ihn in die Fülle des Lebens aufnehmen.