Herr Tilly, seit wann nehmen Sie selbst an der Wallfahrt teil?
Ich selbst feiere diesen Wallfahrtstag seit 1996 mit. Damals habe ich meine Tätigkeit im Bistum Magdeburg begonnen. Nachdem ich dann im Jahr 2008 Referent im Fachbereich Pastoral wurde, hat man mich auch um die Leitung des Wallfahrtsteams gebeten. Seitdem bin ich an der Themenwahl (Auswahl des Mottos) beteiligt und leite die inhaltliche Gestaltung und die logistische Realisierung in den Gottesdiensten und im Programm des Wallfahrtstages an. Vor allem die Vernetzung mit den Akteuren in der Liturgie, für den musikalischen Rahmen, im Programm und in den vielen unsichtbaren Diensten ermöglicht erst das Gelingen dieses Tages.
Wie hat sich die Wallfahrt in den vergangenen Jahren verändert?
Zunächst einmal: Die Tradition der Bistumswallfahrt auf der Huysburg am ersten Sonntag im September gibt es seit dem Jahr 1951. Die Zahl der Mitfeiernden hat sich mit der Zäsur der Pandemie deutlich verändert. Immerhin kommen immer noch etwa 2.000 bis 2.500 Menschen. Für Menschen, die in kleinen Gemeindegruppen oder ganz in der Vereinzelung leben, ein wichtiges Erleben davon, dass sie als Glaubende nicht allein sind.
Mehr und mehr arbeiten wir in der Planung und Gestaltung des Wallfahrtstages an einem inklusiven Konzept. Dazu arbeiten Menschen aus der AG Inklusion des Bistums im Wallfahrtsteam mit. Texte in einfacher Sprache, die Möglichkeit der Begleitung durch den Tag, die Beteiligung am Programm sind Bausteine, die der Wallfahrt ein neues Gesicht geben wollen. Auch für die Internationalität in den Pfarreien des Bistums, für die Bereicherung im geteilten Leben und Lernen an der Kultur der anderen, sollen mehrsprachige Elemente im Gottesdienst und kulinarische Angebote aus verschiedenen Ländern ein Zeichen setzen.
Das breite Angebot von Marktständen und Vorträge oder Podiumsrunden im Programm haben wir abgelöst durch Angebote der Begegnung und mit thematischen Anregungen, die helfen wollen, das Motto des Tages für das Leben in Pfarreien, Einrichtungen und im eigenen Alltag nachhaltig zu gestalten.
Welche besonderen Angebote gibt es in diesem Jahr?
Das Motto dieser Wallfahrt greift das Leitwort des Heiligen Jahres auf: „Pilger der Hoffnung“. Der Bischof lädt zur Wallfahrt als buntes Pilgerfest ein. Erstmals haben Gäste die Möglichkeit, auf einem von fünf begleiteten (angeleiteten) Pilgerwegen ins Kloster Huysburg zu kommen. Impulse und auch Austausch auf dem Weg bereiten geistlich auf den Tag vor. Der Blick auf das Bistum als pilgerndes Volk Gottes und Erfahrungen, die pilgernde Menschen auf ihren Wegen machen durften, füllen das Programm des Tages. Dabei stellen sich verschiedene Tätigkeitsfelder in der Kirche vor, die Seelsorge auf der Straße und mitten in der Gesellschaft leisten: Pilgerseelsorge, Polizeiseelsorge, diakonische Dienste, politische Bildungsarbeit etc..
Passend zum Thema bietet das Bistum zudem einen Kalender für das Jahr 2026 an, der Titel: „Pilger der Hoffnung bleiben“. Darin berichten Menschen von Erfahrungen ganz verschiedener Pilgerwege und geben Impulse für die Monate des neuen Jahres. Der Kalender möchte die Idee des Heiligen Jahres lebendig halten und zu eigenen Hoffnungs-Initiativen im neuen Jahr anregen.
Welche Gäste werden erwartet?
Erstmals werden in der Feier am Nachmittag auch die Mitglieder der neu gewählten Pfarrei-Leitungsteams gemeinsam von Bischof Dr. Gerhard Feige und von dem Paderborner Erzbischof Dr. Uwe Markus Bentz gesegnet. Die Erinnerung an die eigene Taufe und verschiedene Formen einer persönlichen Segnung bekommen an dem Tag eine besondere Aufmerksamkeit. Die Segnung von Kindern und neugetauten Menschen durch Bischöfe aus den (internationalen) Partnerbistümern und aus der Ökumene ist in jedem Jahr eine berührende Geste im Gottesdienst.
Sind auch Menschen ohne Konfession und andere Konfessionen willkommen?
Die persönliche Zuwendung im Segen wird bei den Pilgerwegen im Bistum, nach Rom oder Santiago de Compostela immer wieder gern von Menschen ohne kirchliche Bindung erbeten. Auf ihren Wegen machen sie nicht selten die Erfahrung, von einem weiten Horizont umfangen oder von jemand/etwas in erlebten Krisen getragen zu sein. Eine solche Erfahrung der Zuwendung beschreiben viele auch in den Begegnungen des Wallfahrtstages. Menschen mit und ohne kirchliche Bindung und mit jedem konfessionellen oder religiösen Bekenntnis sind also herzlich willkommen und werden in den Gottesdiensten und im Programm Formen finden, in denen sie angesprochen und beteiligt und nicht nur Zuschauende sind.
Weiterführende Informationen: